Archiv für den Monat: Juni 2015

Adelheid Schütz

FRAUENRADSPORT

Geradeaus Weltklasse!

Adelheid Schütz

Die Doppelsenioren-Weltmeisterin und vielfache bayerische Einzelzeitfahrmeisterin Adelheid Schütz belegte als Amateurin den siebten Platz bei der DM im EZF der Elite-Fahrerinnen in Einhausen.                          Foto: Christian Göckes

VON DIRK KUNZ

EINHAUSEN ■ Adelheid Schütz ist eine der schnellsten Radfahrerinnen in Deutschland, aber wirklich Rad fahren kann sie nicht. Sie mag es nicht, sich mit anderen Radfahrern in einem Feld zu bewegen und vor allem mag sie keine Kurven. „Aber geradeaus ist sie Weltklasse“, sagt ihr Mann Rainer Völkl, der auch ihr Trainer ist.
In dem Reigen von Weltklasse-Radfahrerinnen, die alle jünger sind und von Berufs wegen schnell Rad fahren, sticht die Chemikerin schon hervor. Das ist auch an ihrer Vita abzulesen: In Thüringen in einer Akademikerfamilie aufgewachsen, die Mutter Mathematikerin, der Vater Physiker, spielte Sport keine große Rolle. In der Vorwendezeit als Jugendliche demonstrierte sie auf den Montagsdemonstrationen. Nach der Mittleren Reife wanderte sie nach England aus, dann ging sie für zwei Jahre nach Frankreich und hat in Irland ihre Hochschulreife absolviert.
Ihr Mann, ebenfalls Wissenschaftler, hat sie zum Radfahren gebracht. Mit 35 Jahren hat sie erst angefangen ernsthaft zu trainieren. „Wer 150 Kilometer in Unterlenkerhaltung fahren kann, ist auch für Zeitfahren geeignet“, hat Rainer Völkl damals gesagt und sie 2007 bei der Bayreuther Stadtmeisterschaft angemeldet und prompt verbesserte sie den Streckenrekord um sechs Minuten. Sie hat nie ein eigenes Auto besessen und ist schon immer gerne mit dem Rad gefahren. Mit dem Wettkampfsport hat sie auch deshalb so spät angefangen, weil sie zuerst promovieren wollte. In ihrer Doktorarbeit hat Schütz das Verhalten von polyvalenten Ionen untersucht.
Ihre Abneigung gegenüber Kurven und großen Feldern begründet sie eben damit, dass sie erst sehr spät mit dem spezifischen Radtraining anfing. „Wer das in der Jugend trainiert hat, kann sich ganz anders im Feld durchsetzen und ist technisch versierter.“
Aber mit hoher Geschwindigkeit geradeaus zu fahren, das entfaltet bei ihr Suchtpotenzial: „Ich liebe es, richtig schnell zu fahren. Ich genieße das Gefühl, mit der Rennmaschine zu verschmelzen und die Felder an mir vorbeiziehen zulassen“ , sagt die 41-Jährige.
Dass sie über 20 Jahre älter als viele ihrer Konkurrentinnen ist, macht ihr nichts aus. Sie versteht sich gut mit den anderen Radfahrerinnen, natürlich hätten die teilweise andere Interessen, aber im Rennen spiele das Alter keine große Rolle. Im Gegenteil, es biete auch Vorteile:
Mit 30 Jahren sei man Senior und könne dort auch noch in dieser Kategorie Rennen mitfahren und gewinnen.
Sie arbeitet 45 Stunden in der Woche an der Universität in Bayreuth als Fakultäts-Assistentin, betreut Studierende und hält Vorlesungen. So bleibt wenig Zeit fürs Training. Um das effizient zu gestalten, fährt sie oft abends zu Hause auf der Rolle und kommt insgesamt auf etwa 15.000 Kilometer im Jahr.

Die Strecke zu Hause abgefahren

„Ich will richtig schnell fahren“, so umschreibt sie ihr Ziel für die Deutschen Meisterschaften 2015 in Einhausen.
Die Wochen vorher hat sie viel mit dem Zeitfahrrad trainiert. Rainer Völkl hat im Vorfeld die Strecke gefilmt und mittels eines Computerprogrammes konnte Adelheid Schütz dann zu Hause auf der Rolle speziell die Strecke in Einhausen trainieren.
In der Nacht vor dem Zeitfahren sind sie und ihr Mann angereist. Am Donnerstag hat sie noch gearbeitet und direkt nach dem Rennen am Freitag ging es wieder nach Hause.
Am Start steht sie in ihrem grauen Renneinteiler ohne jeden Sponsoren- oder Team-Namen. Der Ehemann kontrolliert Minuten vor dem Start noch die Reifen und säubert sie vom Dreck. Sie fährt ohne Begleitfahrzeug. Keiner sagt ihr, wie viel Rückstand oder Vorsprung sie hat, welche Schwierigkeiten in der nächsten Kurve lauern und da ist keiner, der sie aus dem Wagen anfeuert. Wenn sie einen Defekt hat, ist das Rennen für sie beendet. Ihr Mann muss sie dann mit dem Auto einsammeln.

Foto: KUNZ

Foto: KUNZ

Der Moderator am Start scheint mit ihrem Namen nicht viel anfangen zu können und wundert sich, warum Schütz als Viertletzte im Reigen der nationalen Elite startet: „Ich weiß nicht, wer das eingeteilt hat, aber wer so spät startet, der muss schon etwas drauf haben.“
Unsicher fährt Schütz die steile und technisch schwierige Rampe herunter, auch in den Kurven ist die Unsicherheit offensichtlich. 42 Minuten später ist sie im Ziel. Sechs Fahrerinnen waren schneller: Alle jünger, alle mit Teamunterstützung , 49 Fahrerinnen waren langsamer.
Adelheid Schütz ist zufrieden mit dem siebten Platz, ihrem zweitbesten Ergebnis bei den Deutschen Meisterschaften. Mindestens zehn Sekunden habe sie in jeder Kurve verloren. Es schmerzt sie etwas, dass Charlotte Becker auf Platz sechs nur eine Sekunde schneller war als sie. Von den Einzelzeitfahrspezialistinnen hat sie nur Trixi Worrack und Becker noch nie geschlagen. Auf der insgesamt sehr geraden Strecke befand sich vielleicht einfach eine Kurve zu viel.

NACHTRAG

Adelheid Schütz, AmateurweltmeisterinAdelheid Schütz wurde Anfang September 2015 Amateurweltmeisterin ihrer Altersklasse (40-44 Jahre) im Zeitfahren über 18,6 Kilometer. Die Strecke in Hobro (Dänemark) legte sie in 27.07 Minuten zurück und fuhr durchschnittlich 41,15 Km/h. Damit war sie schneller als alle 110 Starterinnen sämtlicher Altersklassen. Radfahrlegende Jeannie Longo, die selbst in ihrer Altersklasse (55-59) gewann, aber 43 Sekunden nach Schütz ins Ziel kam, gratulierte persönlich.

(Foto: Rainer Völkl)

 

 

 

 

Ein Radamateur wird Letzter beim Einzelzeitfahren der Elite

Dreimal überholt, letzter Platz und doch gewonnen!

RenéSachseKopie

Der Thüringer René Sachse startet für den RC Gera 92 und wurde bei den Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren Letzter.                                                                                                  Foto: Wolfgang Schuh

Der Zeitsoldat René Sachse ist aktueller thüringischer Landesmeister im Einzelzeitfahren. Damit hatte er sich für die Deutschen Meisterschaften in dieser Disziplin in Einhausen (Südhessen) 2015 qualifiziert. Bei diesem Rennen ist der Amateur-Radfahrer am vergangen Wochenende Letzter geworden. Der Sieger Tony Martin ist im Schnitt zehn Stundenkilometer schneller gefahren.

Herr Sachse, Sie sind bei den Deutschen Meisterschaften im Einzelzeitfahren als Letzter ins Ziel gekommen mit großem Abstand zu dem Sieger. Hatten Sie sich verfahren?
Das nicht und wenn, weiß ich nicht, ob ich es so schnell gemerkt hätte, weil ich ohne Begleitfahrzeug fahren musste. Auf diesen Luxus, der bei vielen Profis Standard ist, muss ich leider verzichten.

Mal ehrlich, sind Sie nicht etwas deprimiert, wenn Tony Martin auf der gleichen Strecke 13 Minuten schneller ist?
Aber der hat auch nicht am Vortag noch in seinem alten Beruf als Polizist gearbeitet und ist dann am Abend alleine zum Rennen gefahren oder saß wie ich, weil ich Einzelkämpfer bin, am Renntag um zehn Uhr morgens noch in der Mannschaftsleitersitzung. Ich bin sicher, wenn sich bestimmte Stellschrauben in meinem Trainingsalltag optimieren ließen, wäre ich etwa drei Minuten schneller. Außerdem muss man es positiv sehen: Ich gehöre zu den 29 schnellsten Einzelzeitfahrern in Deutschland.

Wie haben Sie sich auf das Rennen vorbereitet?
Ich habe versucht, möglichst viele Einzelzeitfahren unter Rennbedingungen zu absolvieren, nur so bekomme ich die Rennhärte. Ansonsten habe ich sehr oft mit dem Zeitfahrrad trainiert, auch auf der Bahn bei mir zu Hause in Gera.

Mit welchem Vorsatz geht man in so ein Rennen? Sagt man sich: Letzter will ich nicht werden?
Ich war von Anfang an realistisch. Unter Profis habe ich wenige Chancen. Der Kurs war mit 45 Kilometern gut 15 Kilometer länger als das, was ich normalerweise im Rennen fahre. Es gab viele kleine Anstiege, die man erst unter Wettkampfbedingungen wirklich wahrnimmt. Die Stimmung war aber toll.

Wie oft sind Sie überholt worden?
Ich bin als Dreizehnter gestartet und drei Fahrer sind an mir vorbeigezogen. Das kommt bei den Zeitfahren, die ich sonst so fahre, selten vor. Allerdings habe ich bei diesem Rennen schon damit gerechnet.

Und im nächsten Jahr?
Möchte ich –wenn möglich– auf jeden Fall wieder dabei sein. Ich habe durch das Rennen an Erfahrung gewonnen und am Material, das ich verwende, lassen sich auch noch einige Sekunden herausholen.

René Sachse, Einzelzeitfahren Einhausen 2015

René Sachse mit 54 Km/h auf der Zielgeraden bei der DM im Einzelzeitfahren in Einhausen.               Foto: Angie Haase

Der 34-jährige Rad-Amateur wohnt in Gera und arbeitet in Augsburg. Er fährt zwischen 13- und 16.000 Kilometer im Jahr. Sein nächstes Ziel ist der Radweltpokal in St. Johann (Tirol) Ende August.

Mit René Sachse sprach Dirk KUNZ.

Individual time trail championship 2015

Impressiones of the individual time trail championship 2015 in Germany

Zeitfahrräder

Patrick Gretsch

Patrick Gretsch from AG2r- La Mondiale before his timetrial start. He finished 7th place.

Patricks Beine

The legs of Patrick Gretsch.

Stefan Schumacher vom polnischen Team CCC Sprandi beim Aufwärmen. Er wird später die drittschnellste Zeit fahren.

Stefan Schumacher from the polish Team CCC Sprandi during warm up. He finished third place.

Pinarello Rad von Christian Knees

The Pinarello bike of Christian Knees.

Christian Knees

Christian Knees from the SKY-Team came 5th at the time trail.

Tony Martin, Beine, Radprofi

Old and new champion of the indivdual time trail:  Tony Martin. This are his work tools.

Jasper Frahm

One of the first starter in the category under 23 years was Jasper Frahm from the LKT Team Brandenburg. He ranked 20th.

Einzelzeitfahren

One rider of the Teams Stölting at the U23 time trail in Einhausen (Hessia).

Photos: Dirk KUNZ

Deutsche Meisterschaften im Einzelzeitfahren

Impressionen von der Deutschen Meisterschaft im Einzelzeitfahren 2015

Zeitfahrräder

Patrick Gretsch

Patrick Gretsch von AG2r- La Mondiale vor dem Start des Einzelzeitfahrens. Am Ende wurde er Siebter!

Patricks Beine

Patrick Gretschs Beine

Stefan Schumacher vom polnischen Team CCC Sprandi beim Aufwärmen. Er wird später die drittschnellste Zeit fahren.

Stefan Schumacher vom polnischen Team CCC Sprandi beim Aufwärmen. Er wird später Drittschnellster.

Pinarello Rad von Christian Knees

Das Pinarello Rad von Christian Knees.

Christian Knees

Christian Knees vom SKY-Team wurde Fünfter beim EZF.

Tony Martin, Beine, Radprofi

Alter und neuer Deutscher Meister im Einzelzeitfahren: Tony Martin. Das sind seine Arbeitsgeräte!

Jasper Frahm

Einer der ersten Starter bei der Kategorie U23 war Jasper Frahm vom LKT Team Brandenburg. Er wurde 20.

Einzelzeitfahren

Ein Fahrer des Teams Stölting beim U23-EZF in Einhausen.

Alle Fotos: Dirk KUNZ